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Gemüse statt Fleisch |
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Über den gesamten Lebensweg hinweg betrachtet, also von der Herstellung über den Konsum bis zur Entsorgung, verursacht ein Kilogramm Fleisch deutlich höhere Umweltbelastungen als ein Kilogramm Gemüse (nach der Methode der modularen Ökobilanzierung durchschnittlich über 8-mal mehr).
Auch wenn berücksichtigt wird, dass der Nährwert von Fleisch rund vier Mal über demjenigen von Gemüse liegt, belastet der Fleischkonsum die Umwelt immer noch mehr als doppelt so stark wie der Konsum von Gemüse.
Zu den konkreten
Umweltbelastungen, die speziell durch die Produktion von Fleisch hervorgerufen werden, zählen folgende:
- Überdüngung:
Wenn zu viele Nutztiere (z.B. in Mastbetrieben) im Vergleich zur Fläche gehalten werden, auf welche der anfallende Hofdünger ausgetragen werden kann, wird der Boden überdüngt, die überschüssigen Nährstoffe werden ausgewaschen und belasten die Gewässer (Nitrat im Grundwasser, Phosphorüberschüsse in Seen).
- Beitrag zum Treibhauseffekt:
Laut einem Bericht der Enquete-Kommission «Schutz der Erdatmosphäre» des Deutschen Bundestages (1995) sind rund 85% der Klimabelastung, die durch die Nahrungsmittelbereitstellung verursacht wird, der Tierproduktion zuzuschreiben. Die Landwirtschaft insgesamt trägt etwa 9 bis 15% zu dem vom Menschen verursachten zusätzlichen Treibhauseffekt bei.
- Weitere Umweltfolgen:
Bei der Herstellung von Futtermitteln (Getreide usw.) für die Tiere können nochmals diverse Umweltschäden entstehen:
- Bodenerosion (bis hin zur Wüstenbildung) infolge mechanischer Bearbeitung von Monokulturen
- Bodenverschmutzung (z.B. mit schwer abbaubaren organischen Substanzen aus Pestiziden)
- Verlust der Biodiversität (Abnahme der Artenvielfalt)
- Emission von Luftschadstoffen auf Grund des Verbrauchs fossiler Energieträger beim Betrieb verschiedener Maschinen
Neben diesen negativen Folgen kann die Tierhaltung aber auch
positive Auswirkungen auf die Umwelt haben:
- Tiere können Pflanzen veredeln, die für den Menschen unbekömmlich sind: So fressen Kühe Raufutter, das für den Menschen ungeniessbar wäre und das auf Hügeln und Alpen wächst, die nicht als Ackerland geeignet sind. Und Schweine haben in Stadt und Land als Abfall verwertende Fleischproduzenten jahrhundertelang eine ökologisch sinnvolle Funktion erfüllt.
- Wenn Tieren jedoch anstelle von Raufutter oder Abfällen hochwertige Futtermittel wie Getreide oder Soja verfüttert werden, die auch für den Menschen konsumierbar wären, fällt der dabei erlittene Energieverlust bei der Bewertung des Fleischkonsums gegenüber dem Konsum von Gemüse wieder negativ ins Gewicht.
Denn bei der heute üblichen Mischung tierischer Nahrungsmittel gewinnt ein Mensch durchschnittlich nur rund eine Kalorie aus den ursprünglich dem Tier verfütterten 5,5 Kalorien.
Fazit: Aus Umweltschutzgründen muss also nicht vollständig auf Fleisch verzichtet, der Fleisch-Konsum aber reduziert werden.
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Auch aus
gesundheitlicher Sicht kann sich eine Reduktion des Fleischkonsums positiv auswirken:
- In den Industrieländern ist der Fettkonsum mit etwa 132 g pro Person und Tag rund zwei Mal zu hoch und 64% der konsumierten Fette stammen aus tierischen Quellen. Zu hoher Fettkonsum kann zu Übergewicht sowie zu Herz- und Kreislaufkrankheiten führen.
- Neben dem Fett- ist heutzutage aber auch der Eiweisskonsum zu hoch (rund 106 g pro Tag gegenüber den notwendigen 60 g). Und mehr als die Hälfte des Eiweisses stammt aus tierischen Quellen. Zuviel Eiweiss belastet den Stoffwechsel stark.
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Neben Umweltschutz- und Gesundheitsaspekten sprechen auch
ethische Argumente für eine Einschränkung des Fleischkonsums.
Denn laut einer Umfrage der Konsument/innen Arbeitsgruppe für tier- und umweltfreundliche Nutztierhaltung (
KAGfreiland) erfüllte 1996 - sechs Jahre nach Ablauf der Anpassungsfrist - mindestens ein Zwölftel der Betriebe die Vorschriften der Tierschutzverordnung noch nicht.
Tierschutz ist ein gesellschaftliches Anliegen mit einem ethisch-philosophischen und kulturellen Hintergrund. Hinter dem Tierschutzverständnis einer grossen Mehrheit von Schweizerinnen und Schweizern steht der ethische Ansatz der «Ehrfurcht vor dem Leben»:
Tiere dürfen und sollen zum Wohl des Menschen genutzt werden, doch sollen mit dieser Nutzung grösste Anstrengungen verbunden werden, das Leiden und Töten von Tieren gering zu halten. (STAUFFACHER, 1996, S. 78)
Die Haltungsbedingungen von Tieren sehen in der Schweiz folgendermassen aus:
- 1997 lebten in der Schweiz von insgesamt rund 1,7 Millionen Rindern und Kälbern deren 260000 oder 15% in Mastbetrieben; bei den Schweinen waren es etwa 180000 oder 13% von 1,4 Millionen, die als Masttiere gehalten wurden.
- 27,4% der Betriebe praktizierten 1997 kontrollierte Freilandhaltung. Diese verlangt, dass in der Nähe des Stalles Weidemöglichkeiten bestehen, und für den Auslauf im Winter muss ein Laufhof vorhanden sein.
Als besonders bedenkliche Haltungsbedingungen haben sich Intensivmastbetriebe erwiesen:
- Dort haben die Tiere meist keinen Auslauf.
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Den Tieren werden regelmässig hohe Dosen Antibiotika verabreicht - neben der Krankheitsvorsorge auch zur Wachstumsförderung. Für den Menschen stellt sich vermehrt das Problem der Resistenzbildung. Denn gewisse Bakterien halten dem Angriff des Antibiotikums stand und werden resistent.
Solche resistente Bakterien können dann beim Melken in die Milch, respektive beim Schlachten auf das Fleisch gelangen und vom Lebensmittel schliesslich auf den Menschen übergehen.
Dies kann weiter zur Folge haben, dass Antibiotika, die beim Menschen bisher erfolgreich als Heilmittel eingesetzt wurden, im Laufe der Zeit ihre Wirkung verlieren.
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ENQUETE-KOMMISSION «SCHUTZ DER ERDATMOSPHÄRE» DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES (Hrsg.) (1995).
Mehr Zukunft für die Erde: Nachhaltige Energiepolitik für dauerhaften Klimaschutz.
Bonn: Economica Verlag.
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HALDIMANN, U. & DIETRICH, S. (1992).
Unser täglich Fleisch: So essen wir die Welt kaputt.
Zürich: Unionsverlag.
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STAUFFACHER, M. (1996).
Anwendungsorientierte Ethologie (Skript zur Vorlesung an der Abt. XB).
Zürich: Eidgenössische Technische Hochschule.
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STUCKI, B. (1998).
Mäster setzen auf neue Leistungsförderer.
In: Konsum & Umwelt (2/98), 12-15.
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WWF (Hrsg.) (1997).
Fleisch: Produktion und Konsum: In Zukunft verträglich.
Zürich: WWF.
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